Westdeutsche Zeitung
Krefelderin schreibt über blutrünstige Vampire
Buchautorin Helene Henke liebt Gegensätze. Ihr neuer Roman handelt von einer Totenwächterin.
Von Jennifer Fortmann
Helene Henke hat blonde, mittellange Haare und stets ein freundliches
Lächeln auf den Lippen. Sie wohnt in einem großen Haus in Fischeln.
Den Blick auf die Kölner Straße schätzt sie wegen des Trubels und den riesigen Garten hinter dem Haus wegen der Ruhe. Klingt harmonisch. Ist es auch. Dabei schreibt Helene Henke blutrünstige Romane. Im August ist ihr erstes Buch veröffentlicht worden: „Das rote Palais: Die
Totenwächterin".
Das Buch ist ein Gegensatz zu ihrem Leben. „Ich liebe Gegensätze", sagt Henke. Die Einrichtung des Hauses ist der perfekte Beweis dafür; moderne und antike Möbel sind wild zusammengewürfelt. Sie ist seit mehr als 20 Jahren verheiratet, hat zwei Söhne und auch ihre Mutter lebt mit im Haus. „Ihr habe ich es zu verdanken, dass ich soviel Zeit zum schreiben habe, sie unterstützt mich im Haushalt", sagt Henke.
Hätte Henke ein zweites Leben, wäre sie gern ihre eigene Romanfigur. In ihrem Fantasy-Roman geht es um Vampire, die mitten unter uns leben. Stellenweise ist die Geschichte eklig, brutal, gruselig und dunkel, doch eigentlich steht eine mystische Liebesgeschichte im Vordergrund. „Ich wollte Fantasyfans, aber auch andere Leser ansprechen", erklärt sie.
Die Heldin ist eine mutige, alleinstehende Privatdetektivin, ohne den Wunsch nach einer Familie, aber mit einem Gespür für das Reich der Untoten. „Über sie zu schreiben, ist wie ein Abenteuer für mich, wenn ich gleichzeitig noch ein zweites Leben haben könnte, wäre ich gern wie sie", erklärt Henke. Ihre Augen sehen müde aus, weil sie in der Nacht eine Idee für den zweiten Teil des roten Palais hatte und noch an der Fortsetzung gearbeitet hat. „Meine Verlegerin hat eine Trilogie
geplant, ich wollte damit noch gar nicht anfangen, aber die Geschichte lässt mich nicht los", sagt Henke. Auf die Handlung des ersten Buchs angesprochen, beginnt sie gestikulierend, zu beschreiben. Die Leidenschaft für die Heldin und ihre Geschichte ist zu spüren. „Einen der Vampire wollte ich sterben lassen, aber er ist mir zu sehr ans Herz gewachsen", sagt Henke.
Das Buch ist aus einer Laune heraus entstanden. Sie hat in Kooperation mit einer Freundin ein Buch geschrieben, die Pausen hat sie für die Arbeit an der „Totenwächterin" genutzt. „Ich hab gelesen, dass es einen Bedarf an Vampirromanen gibt und ich hatte Zeit, also dachte ich, ich versuche es mal", sagt Henke.
Der Roman spielt in Krefeld, die Stadt trägt dabei wieder ihren alten Namen: Krinfelde. Hauptschauplatz der Geschichte ist das CinemaxX, im Roman Aurodom genannt. Henke selbst arbeitet seit sieben Jahren im Kino und sieht ihren Arbeitsplatz als eine
Krefeld – Tummelplatz für Vampire und Götter
von Dagny Skiba
Krefeld. Das Geheimnisvolle und Düstere ist ihr Genre. Und besonders die Vampire haben es Helene Henke angetan. Mit ihrem neuen Buch „Die Schattenpforte“ bringt die Krefelder Schriftstellerin jetzt den letzten Teil ihrer Vampir-Trilogie „Das Rote Palais“ heraus. „Im Vordergrund steht die große Liebe“, erzählt die so garnicht düstere Autorin, „nur halt etwas erwachsener als in den aktuellen Teenie-Vampirgeschichten. Aber es wird auch richtig gemetzelt.“
Nachdem sich die Protagonistin, Privatdetektivin Leyla Barth, im ersten Teil in den Meister-Vampir Rudger von Hallen verliebt und ihn im zweiten Teil heiratet, sind sie im dritten Teil, der in diesen Tagen erscheint, ein bestehendes Paar, dass um seine Liebe kämpfen muss. Denn das Treiben der Vampire in der Stadt Krinfelde erlebt seinen Höhepunkt in einem drohenden Weltuntergangsszenario.
Das Besondere an Henkes Romanen ist, dass die zahlreichen Schauplätze alle aus Krefeld gewählt sind.
„Deutsche Autoren haben es schwer. Deutschland als Schauplatz auch. Mir ist es aber wichtig Krefelder Plätze in meine Bücher zu integrieren“, erzählt die 45-jährige gelernte Erzieherin und Speditionskauffrau. „Dieses Buch ist Krefeld.“ Auch hat sie recherchiert, dass der Name Krinfelde der erste amtlich verzeichnete Name Krefelds ist.
Hauptschauplatz ist das Multiplexkino Aurodom am Bahnhof – bei uns das Cinemaxx, in dem die Autorin seit zehn Jahren arbeitet und ihr Inspirationen für ihre Romane liefert. In der Geschichte verschwinden dort Menschen auf mysteriöse Weise während der Kinovorstellungen. Man vermutet einen Zusammenhang mit der riesigen dunklen Wolke die sich über Krinfelde befindet, durch die es immer Nacht ist. So öffnen sich in der parallelen Götterwelt die Schattenpforten, was den Vampiren ermöglicht, auch am Tag ihr Unwesen zu treiben und zu morden.
Als der Vampir Rudger eines Abends nicht mehr aus seiner Totenstarre aufwacht, und in der Unterwelt gefangen genommen wird, muss Leyla Barth eine lebensgefährliche Reise in das Reich der Schatten antreten, wo sie auf die Höllenjungfrau Modgudr trifft, der die Herrschaft der Unterwelt unterliegt, und die den Weltuntergang heraufbeschwört.
„Meine Romane sind wie ein Potpourri“, sagt die Autorin und Mutter zweier Söhne, „ alles was mich interessiert bringe ich in meine Bücher mit ein.“ Im Gespräch bemerkt man ihr großes Wissen über Vampire, Götter und die Mythologie, das sie phantasievoll in ihren Romanen verwendet. Ein Dreier-Band ihrer Trilogie wird nächstes Jahr im Handel erscheinen.