Serieninfo - Das Rote Palais
Die Wesen der Nacht sind aus dem Verborgenen gestiegen und beanspruchen ihre öffentliche Daseinsberechtigung in einem Zeitalter, in dem die technische Entwicklung der Menschen die Nacht zum Tag gemacht hat. Nachdem ein Vampir, als einziger Nachkomme, Anspruch auf die Ländereien seiner Familie erhebt, wird ihm diese zugesprochen.
Ein neues Zeitalter wird eingeläutet. Der Fall sorgt landesweit für Aufsehen und zwingt die Regierung über eine Legalisierung des Vampirismus in Deutschland nachzudenken. Doch Konflikte sind vorprogrammiert. Es bilden sich Gegenorganisationen und dubiose Sekten wie Thetania e.V. sehen im ewigen Dasein der Vampire Möglichkeiten ihren eigenen Zielen näherzukommen.
Immer mehr Vampire leben einen Alltag der dem der Menschen ähnelt, auch wenn sich ihre Aktivitäten auf die Nachtstunden beschränken. Die Gesellschaft stellt sich auf die neuen wirtschaftlichen Verhältnisse ein. Die Öffnungszeiten der Supermärkte sind durchgehend, um nachts an den Fleischtheken Blutkonserven zu verkaufen. Polizei und Behörden richten Sonderheiten ein, speziell auf Vampirangelegenheiten ausgerichtet.
Die Stadt Krinfelde gehört bei Weitem nicht zu den Großstädten des Landes, doch zu denen mit den häufigsten paranormalen Aktivitäten. Krinfeldes Standort grenzt unmittelbar an ein Paralleluniversum – dem der altgermanischen Götterwelt - an. Insbesondere die Unterwelt Niflheim, deren Herrscherin Hel die Schöpferin der Vampire ist, bricht regelmäßig zur Menschheit durch. Diese strategisch ungünstige Lage, führt immer wieder zu Rissen in den Dimensionen, wodurch es zu verstärkter Präsenz der Götter und anderen Wesen kommt. In Niflheim führen Vampire während ihres Tagschlafs eine zweite Existenz. Nur ihre Körper sind dann tot, ihr Geist hingegen wandert durch die Dimension – als Grenzgänger.
Dreh- und Angelpunkt der Geschichte ist das Multiplexkino Aurodom, in dessen oberen Etagen sich das Rote Palais befindet. Über diesem Genießerkino für Vampire residiert der Meistervampir in einem Penthaus. Er wacht über die Mitglieder seines Blutes, sorgt für die Einhaltung des Abkommens mit den Menschen, von der Menschenjagd Abstand zu nehmen.
Glossar – Charaktere aus „Das Rote Palais“
Leyla Barth, geboren am 30.11.1974 in Krinfelde. Als Einzelgängerin wächst Leyla bei ihrer Großmutter auf, in einer ruhigen Reihenhaussiedlung am Rande der Stadt. Schon als Kind fühlt sie sich als Außenseiterin, weil sie häufige Visionen plagen. Erst als sie über die Existenz von Vampiren erfährt, wird ihr klar, dass nicht alles was sie sieht, Einbildung ist. Als einer der ersten Frauen in Deutschland wird sie zur Polizistin ausgebildet. Da sie wenige Freunde hat und in Beziehungssachen scheitert, widmet sie sich in ihrer Freizeit ihren Studien über paranormale Begebenheiten und Mythen. Nebenbei betreibt sie Kampfsport und wird zur Meisterin in Aikido und Kendo. Ihr Trainer und Berater unterrichtet sie in buddhistischen Weisheiten, insbesondere die höheren Formen der Meditation.
In ihrem Job als Polizistin, in einer Sondereinheit, kristallisiert sich bald ihre Gabe heraus, Vampire schon aus großer Entfernung aufzuspüren.
Sie quittiert ihren Dienst und macht sich als Privatdetektivin selbständig, um ihren Handlungsfreiraum maßgeblich zu erweitern. Nebenberuflich arbeitet sie weiterhin für die Polizei. Obwohl sie es überwiegend mit Aufträgen zu tun bekommt, in denen Menschen in Konflikte mit kriminellen Vampiren geraten, richtet sich ihre Abneigung gegen Verbrecher generell, nicht gegen die Untoten. Ihre besondere Faszination für diese Wesen ignoriert sie so gut es geht. Als sich ihre Wege immer wieder mit denen von Rudger van Hallen kreuzen, gerät ihre Gefühlswelt immer mehr ins Schwanken.
Rudger von Hallen, Meistervampir der Stadt. Er wurde am 15.05.1462 in Krinfelde geboren. Zur Jahrhundertwende 1500, im Alter von 38 Jahren, zum Vampir verwandelt.
Schon zu Lebzeiten als Gutsherr, galt Rudger als außerordentlich sozial, pflegte einen für seine Zeit ungewöhnlich freundschaftlichen Umgang mit seinen Bediensteten. Seine Gerechtigkeit und die Aussicht auf ein menschenwürdiges Dasein, lockten zahlreiche Flüchtlinge aus den von Bauernaufständen zerrütteten Süden des Landes an.
Das jähe Ende seines harmonischen Lebens, fand sich in der Umwandlung zum Vampir durch die jahrtausendalte Fjodora. Seiner „Macherin“ verdankt er die Erinnerungsfragmente an die altgermanische Sprache.
Es folgten viele Jahre des haltlosen Herumirrens, des Blutrauschs mit nicht enden wollenden Gewissenskonflikten. Erst der Kontakt mit einem neugeborenen Kind erweckte seinen Beschützerinstinkt aufs Neue.
Rudger trennt sich von seinen Blutgefährten Fjodora und Vincent, um fortan in Krinfelde sesshaft zu werden. Nicht zuletzt, um über das Heranwachsen eines Mädchens zu wachen, mit dem ihn längst mehr verbindet als er für möglich gehalten hat. Ein längst vergessenes Gefühl keimt in ihm auf – Liebe.
Seine außerordentliche Macht lässt ihn schnell zum Meistervampir aufsteigen. Mit einer für Vampire ungewöhnliche Empathie gewinnt er zahlreiche Sympathisanten, auch unter den Sterblichen, was ihm schnell den Ruf von Menschenfreundlichkeit einbringt.
Von der Stadt fordert er die Ländereien seiner Familie zurück und errichtet auf unterirdischen Katakomben das mehrstöckige Multiplexkino. Mit Geschick und Diplomatie versucht er stets die Waage zu halten, zwischen den Bedürfnissen seiner Artgenossen und den Sterblichen.
Kommissar Rolf Fuhrmann, Freund und Kollege von Leyla. Über den zweiten Bildungsweg, absolvierte der ehemalige Berufskraftfahrer eine Ausbildung zum leitenden Kommissar. Obwohl Rolf nur wenige Jahre älter ist als Leyla, versinnbildlicht er den väterlichen Freund. Seine Sondereinheit für paranormale Fälle leitet er mit einem sicheren Gespür für Autorität und kriminalistische Methoden. Gewissenhaft befolgt er Regeln und Gesetze, auch wenn sie ihm nicht selten im Wege stehen. Für solche Grenzsituationen ruft er Leyla Barth, die er insgeheim für ihren impulsiven Tatendrang bewundert.
Konrad Knecht, getreuer Diener von Rudger, war schon 65 Jahre alt, als er 1502 durch einen unglücklichen Zufall zum Vampir wurde. Als einfacher Mann mit schlichtem Gemüt, hadert er nicht mit seinem Schicksal, sondern hat sich auf eine Ewigkeit als Diener eingestellt. Sein ausgeprägter Krinfelder Dialekt ist für ihn so typisch wie seine Leidenschaft für alte Vampirfilme, die er als Heimatfilme bezeichnet. In zahlreichen Produktionen der 50ger Jahre hat er als Komparse mitgewirkt.
Jarno, 20jähriger Vampirjunkie, Callboy und Stripper im Roten Palais. Ein liebenswerter Chaot. Als Ausreißer auf die schiefe Bahn geraten, findet er zur Normalität zurück, als der Meistervampir ihm die Aufgabe zuträgt, ihn mit Informationen über das Tagesgeschehen in Krinfelde zu versorgen.
Marie von Rhode, 22 J. Oberfeldwebel. Industrieellentochter aus schwierigen Familienverhältnissen. Mit siebzehn verlässt sie heimlich das Internat, um zur Bundeswehr zu gehen. Mit Tricks erschleicht sie sich das Einverständnis der Eltern und legt eine rasante militärische Karriere hin. Ihr zartes, feenhaftes Aussehen täuscht über ihre kämpferischen Fähigkeiten hinweg.
Gemeinsam mit ihrem Freund Marc Kehne, leistet sie zahlreiche Einsätze in kontaminierten Gebieten wie Rumänien. Erst als der Vampirismus in Krinfelde überhand zu gewinnen scheint, wird ihre Einheit dorthin versetzt.
Fjodora, uralter Vampir, Gestaltwandler, Hermaphrodit und Wächterin der Kreaturen. Schöpferin von Rudger und Vincent, ihren einstigen Gefährten. Wahlheimat der Dschungel des Amazonas, mit regelmäßigen Stippvisiten in Krinfelde. Verfügt über das Wissen und die Macht von Jahrtausenden.
Nach eigenen Angaben ist sie eine direkt Nachfahrin von Lilith, doch ihre Fähigkeit die Gestalt zu ändern, wenn auch in einem langwierigen Prozess, lässt darauf schließen, dass sie eine Abtrünnige des Geschlechts der altgermanischen Götter ist. Ihre absolute Abneigung gegen Menschen, macht sie zu einem gefährlichen Gegner.
Iduna und Bragi, das Götterpaar. Bragi wird vom Allvater Wodan aus Walhalla verbannt und muss für einen unbestimmten Zeitraum in Midgard verweilen. Iduna folgt ihrem Liebsten, doch ihre Suche währt Jahrhunderte, nach menschlicher Zeitrechnung. Da Götter in der Menschenwelt über keinen physischen Körper verfügen, benutzen sie Wirtskörper – vorzugsweise Vampire, weil diese strapazierfähiger sind als Menschen. Während der sanftmütiger Dichter und Sänger Bragi den folgenschweren Fehler begeht, den Körper eines besonders selbstverliebten und grausamen Vampirs zu wählen, gerät Iduna im Körper eines mächtigen Meistervampirs in die Fänge der Sekte Thetania e.V. Dort soll sie pseudo-wissenschaftlichen Zwecken dienen, um der Sekte bei der Erforschung des kontrollierten, ewigen Lebens zu helfen.
Boris Saenko, mächtiger Meistervampir über dessen Herkunft nur wenig bekannt ist. Einzig sein Name lässt auf seine russische Herkunft schließen. Er ist Gründer und Leiter des Syndikats, einer europaweit agierenden Vampirvereinigung. Neben dem Handel mit wertvollen Antiquitäten, ist das Syndikat verantwortlich für die Kontrolle der Grenzen zwischen den Dimensionen. Meistervampire mit außergewöhnlichen Fähigkeiten erhalten eine spezielle Ausbildung als Grenzgänger.
Sergej Gabulov, zu Lebzeiten Rivale von Rudger um die Gunst der russischen Zarin. Inzwischen talentierter Vampir mit Ambitionen seine Ausbildung zum Grenzgänger zu perfektionieren.
Modgudr, Höllenjungfrau und Bewacherin der goldenen Brücke in die Unterwelt Niflheim. Zur Hälfte entstammt sie dem Geschlecht der Asen, zur anderen dem der Riesen. In Abwesenheit der Unterweltgöttin Hel unterliegt ihr die Herrschaft über die Unterwelt. Ihr zur Seite stehen die Höllenhunde und eine Garde gezüchteter Krieger. Jede Riesin erreicht irgendwann in ihrem Dasein die Meno-Phase, so auch Modgudr als Halbriesin. In ihrem unaufhaltsamen Bestreben sich fortzupflanzen, wählt sie solange männliche Vampire aus, bis sie den geeigneten Partner gefunden hat. Durch die Phase ist ihr Urteilsvermögen getrübt und bringt sie auf die Idee, in Hels Namen die Menschenwelt einzunehmen.
Germanische Begriffe teilweise mit Wikipedia-Verlinkung
| Walakuzjæ | Totenwächterin |
|---|---|
| mina Fagreþæ | meine Schöne |
| Yggdrasil | Name einer Esche die als Weltenbaum den gesamten Kosmos verkörpert |
| Midgard | „Mittelhof“, die Welt der Menschen |
| Asgard | „Himmelberg“ Wohnsitz der Götter, mit den heiligen Hallen(Walhall) Wodans/Odins, dem Schöpfer der Menschen |
| Niflheim | Teil der Unterwelt Utgard, Aufenthaltsstätte der Toten, kein Ort der Strafe im Sinne von Hölle |
| Hel | Totengöttin und Herrscherin über Utgard, Schöpferin der Vampire |
| Ragnarök | Endkampf der Götter, Weltuntergang |
| Nidhöggr | Unterweltdrache, der den Ragnarök unbehelligt übersteht, um genau das zu tun, was er schon vorher getan hat. Er kümmert sich auf seine Weise um die Toten. |
Helene Henke
Weitere Infos über germanische Mythologie findet Ihr auch hier:
